
Das Wichtelhaus der Sterne
Tauche in die Welt der Wichtel und höre dir die Geschichte an! Viel Spass beim zuhören
Wir wünschen euch wunderschöne Weihnachten
Es gibt ein Haus im Dorf, das ist anders als alle anderen. Wenn man ganz nah an das Fenster tritt, sieht man nicht nur Holz und Verzierungen, sondern eine Welt voller Geheimnisse. Das ist das Wichtelhaus der Sterne. Hoch ragt sein Turm in den Himmel, der Balkon ist geschmückt, und selbst die kleinsten Verzierungen glitzern, wenn ein Lichtstrahl sie berührt. Wer genau hinschaut, der sieht, dass in diesem Haus drei Wichtel wohnen – Nuri, Mika und Fiona.
Nuri ist neugierig, ihre Mütze viel zu groß und voller Geschichten, die sie gesammelt hat. Mika ist die Sanfte, sie liebt Wärme und hat immer eine Idee, wie man Herzen leichter machen kann. Fiona ist der Tüftler, er schnitzt aus Holz kleine Sterne, so fein und zart, dass sie fast zu schweben beginnen.
In dieser besonderen Nacht sitzen die drei im Wichtelhaus. Der Ofen knistert, es riecht nach Vanille und Zimt, und draußen rieselt leise der Schnee. Vor der Tür stehen Tannenbäume, deren Zweige sich unter weißen Flocken biegen. Zwischen den Zweigen glitzert etwas. „Seht nur“, ruft Nuri, „die Sterne sind reif!“ Denn in der Adventszeit wachsen im Wichtelwald keine Äpfel oder Beeren – dort wachsen Funken Freude, die aussehen wie kleine Glitzersterne.
Fiona läuft hinaus, ihre Füße hinterlassen winzige Spuren im Schnee. Vorsichtig sammelt sie die Sterne ein und legt sie in den Schlitten. Doch bald seufzt sie: „Der Schlitten ist viel zu groß, ich bekomme ihn nie gezogen.“ Nuri schiebt ihre Mütze aus den Augen. „Vielleicht müssen wir diesmal Hilfe holen“, sagt sie. „Hilfe von denen da draußen, die gerade vor unserem Fenster stehen.“ Mika nickt. „Ja, die Großen mit den großen Herzen und die Kleinen mit den schnellen Füßen. Sie können das, was wir allein nicht schaffen.“
Und so wenden sich die Wichtel an die Besucher vor dem Fenster: „Seht ihr die Sterne? Es sind Funken Freude. Jeder Stern möchte weiterreisen, hinaus ins Dorf. Vielleicht an einen Baum, der jeden Morgen viele Blicke auffängt. Vielleicht in einen Briefkasten, der schon lange auf Post wartet. Vielleicht zu einem Menschen, der ein Lächeln gebrauchen kann. Oder einfach in deine Tasche – damit du ihn im Herzen weiterträgst.“
Die Kinder, die lauschen, spüren, wie ihre Augen zu leuchten beginnen. Einen Stern zu tragen, das klingt nach Abenteuer. Doch es ist ein Abenteuer, das nicht schwer ist – es braucht nur ein bisschen Fantasie und ein bisschen Liebe.
Während Fiona noch am Schlitten schiebt, denkt Nuri nach. „Weißt du noch“, sagt sie zu Mika, „wie wir im letzten Winter den Fuchs trafen? Er hatte Schneeflocken im Schnurrbart und wollte unbedingt wissen, wie Freude riecht.“ Mika lacht. „Und wir gaben ihm einen Stern, der nach Zimt roch. Seitdem sitzt er manchmal am Waldrand und schnuppert in die Luft.“
Fiona schmunzelt. „Und der Eichelhäher, der immer unsere Knöpfe stahl – erinnerst du dich? Als er schließlich einen Stern bekam, trug er ihn stolz in sein Nest. Seitdem zwitschert er jeden Morgen lauter, als wollte er sagen: Ich habe die Freude gefunden.“
So erzählen die Wichtel Geschichten von früheren Wintern, von Sternen, die Wege gegangen sind, die sie selbst nie gesehen haben. „Freude geht eigene Wege“, sagt Mika. „Manchmal reicht ein Anfang, und der Rest geschieht von allein.“
Draußen vor dem Fenster bleiben Menschen stehen. Kinder mit roten Nasen, Erwachsene mit dicken Schals. Manche lächeln, andere lauschen still. Nuri winkt ihnen zu und zeigt auf den Schlitten voller Sterne. „Vielleicht“, ruft sie, „möchtet ihr uns helfen? Vielleicht nehmt ihr einen Stern mit und bringt ihn dorthin, wo er gebraucht wird. Das kann überall sein: in einem Garten, auf einer Bank, in einer Tasche, in einem Herzen.“
Mika fügt leise hinzu: „Und wenn du keinen Stern mitnehmen kannst, dann trag einen Gedanken weiter. Ein Danke, ein Lächeln, ein kleiner Blick. Auch das ist ein Stern.“
Die Tannenbäume rauschen leise, als wollten sie zustimmen. Der Schnee funkelt stärker, als hätte er von den Sternen gelernt. Fiona pustet den letzten Holzstaub von einem frisch geschnitzten Stern. „So“, sagt er, „jetzt sind wir bereit.“
Und während im Häuschen das Licht ein wenig gedimmt wird, machen sich die Sterne auf ihre Reise. Manche finden den Weg in Kinderhände, andere werden still in eine Manteltasche gesteckt, wieder andere hängen bald an Ästen oder liegen in Gärten. Und jeder einzelne von ihnen trägt ein kleines Stück Wichtelzauber hinaus in die Welt.
Vielleicht spürst du, während du zuhörst, schon einen dieser Funken Freude. Vielleicht findest du einen Stern im Fenster. Vielleicht nimmst du ihn mit. Oder du trägst einfach ein kleines Lächeln weiter. Denn manchmal ist das der hellste Stern von allen.
Und wenn du heute Nacht in den Himmel schaust, dann siehst du vielleicht, wie ein Stern besonders funkelt. Wer weiß – vielleicht ist es einer aus dem Wichtelhaus.